Ich möchte Euch heute ein geniales Projekt mit für mich sehr persönlichem Hintergrund vorstellen. Es geht um neue Tanz- und Kunstateliers für Kinder und Jugendliche in Linz. Dem größten Geschenk an Kinder, das ich derzeit in Oberösterreich ausmachen kann. Ich freue mich, wenn ihr Lust habt, in meine Erzählung einzutauchen und diese weiter teilt!

Die Zeiten sind hart für Kinder. In der Schule dreht es sich meist viel zu viel um Leistung, Vergleich und Beurteilung. Im Alltag mit der Pandemie, um Hygiene, Bedrohungen, Sicherheit, Tests, „Absonderung“, Distance Learning, sprich alleine vor digitalen Geräten zu arbeiten, usw. Selbst im Kindergarten gibt es viel mehr Regeln durch diese Zeit. In den Städten haben die Autos und Gebäude fast alle Freiflächen eingenommen, bis auf ein paar fertig geplante Spielräume, am Land wachsen die Zäune und „Betreten verboten“ Zonen. Kinder „versitzen“ ihre Kindheit. In der Schule oder im Kinderzimmer, vorm Fernseher oder Computer. Wenn sie rauskommen, ist auch ihre Freizeit vielfach sehr pädagogisiert. Dabei geht es oft nur um das, was mich jemand „lehrt“, darum das dann genauso umzusetzen, wie es das das fertige Konzept oder die Idee vorgibt. Am besten bin ich, wenn ich gut kopieren kann!

Wir wissen aber, dass wir eigentlich junge Menschen in eine völlig ungewisse Zukunft begleiten. Wir wissen nicht welche Welt sie vorfinden werden, wenn sie erwachsen sind. Wir wissen nicht, welche Kompentenzen sie dann brauchen. Was wird digitalisiert, was bleibt bei uns Menschen? Wie steht es um Planet, Familie, Arbeit, usw. bis dann?
Wir wissen einzig, dass wir kreative, selbstbewusste, neugierige Menschen brauchen, die Lust haben zu gestalten. Dafür müssen sie selbstwirksam erfahren haben, dass sie das auch können. Denn sie müssen sich ihre Welt auch später mal selber gestalten! Dafür müssen sie mutig sein, auf sich selber vertrauen und kreative Wege gehen, sowie gut in Beziehung zu andern gehen können. Und damit zurechtkommen auch mal was nicht zu schaffen.
Und wir wissen auch, dass es nicht nur um die Zukunft geht, sondern um den aktuellen Moment! Es geht darum, wie ernst wir Kinder in ihrem Kind sein nehmen. Ob sie es erleben, dass wir Großen sie wirklich ernst nehmen in ihrer Mitgestaltung ihrer und unserer Gegenwart und damit unser aller Lebens.

Daher gilt es kreative Erfahrungsräume zu fördern, ja sogar zu schützen wie eine bedrohte Tiergattung oder Pflanze. Denn in unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft übersehen wir da viel zu viel. Wir brauchen selbstbestimmte und vor allem kreative Lernräume!

So ein wunderbarer Ort, der sich genau dafür in höchster Qualität stark macht, wurde mit Schulbeginn in Linz eröffnet. Ich möchte ihn Euch heute vorstellen, verknüpft mit meiner fünfjährigen, persönlichen Vorgeschichte damit.

Unsere Tochter war 4 Jahre alt, als ich mich auf die Suche nach einer Tanzmöglichkeit machte. Sie tanzte bereits bevor sie ging, beobachteten wir. Ich wollte ihr einen Rahmen ermöglichen, wo sie das ausleben konnte. Wir wollten keinen „Drill“, etwas „Zeitgemäßes, Kinderfreundliches, Kreatives“. Relativ rasch hörte ich von „der Christine im Tanzstudio Horn“. Der erste Eindruck zeigte Augenhöhe, Humor, künstlerische Professionalität und eine große Liebe zu Kindern. Es wurde angeleitet, aber schon von Beginn an, gab es auch immer Sequenzen des völlig freien Tanzens: „Wie bewegt sich eine Biene, ein Schmetterling, eine Raupe, wie tanzt diese zu dieser Musik? Sei diese Raupe, schau wie du dich bewegen willst.“
Es kam mir vor wie eine Kombination aus Impulsen (Bewegungen, Abläufe, Schritte,..) und dann der Einladung völlig frei das Eigene dazuzulegen. Der Ausdruck der Kinder wiederum, wurde dann oft weiter aufgenommen, ein ganz dialogisches Miteinander. Ich arbeitete da schon Jahre sehr intensiv mit Jesper Juul und familylab und ich hatte das Gefühl, genau diese Inhalte gelebt zu beobachten.
Ich zeige mich, ich gehe auch mal klar in Führung UND ich erkenne deine Kompetenz und deine Bedürfnisse, deine Selbstwirksamkeit an. Zu alldem gesellte sich ein starker, künstlerischer Ausdruck. Auch mal völlig absichtslos. Ich war begeistert, was mein Kind da alles bekam.

Aber um mich ging es ja garnicht! Mein Mädchen wurde stolze Tänzerin. Jedes Mal kam sie begeistert aus den Stunden. Oft müde, aber immer strahlend.

Plötzlich war die erste Produktion da. Eine Märchenerzählerin erzählte eine lange Geschichte, die am Pöstlingberg spielte und mit Umweltschutz und mit mutigen Kindern verknüpft war. Die Kinder vertanzten diese Geschichte. Wir waren zur Aufführung nicht da, durften uns daher die Generalprobe anschauen. So wurde ich Zeugin, wie begeistert die Kinder in dieser Probe kooperierten. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, mit wie vielen Kindern Christine die Generalprobe zugleich durchführte! Sie führte sie klar und liebevoll. Dabei war spürbar, es geht um sie und nicht primär um das Publikum. Kinder spüren, wenn sie wirklich ernst genommen werden, sodass alle Kinder im Boot waren.  Sie hatte so viele Kinder gleichzeitig da und brauchte überhaupt keine Unterstützung. Sie waren ganz und gar Teil der Geschichte. So viele strahlende Kinderaugen. Es war der pure Genuss für mich!

Auch alle folgenden Performances wurden große Projekte. Es folgte die Geschichte einer Drehbuchautorin, die als Erste einen Film schuf über eine Prinzessin, die wild und lustig war, die selber kämpfte, ohne auf den „Retter“ zu warten. Eine richtige, weibliche „Heldin“. Dann kamen zwei große ein Auftritte im Brucknerhaus. Einmal wurden Live-Performances der Poxrucker Sisters vertanzt. Und dann wurden auch noch die Geschichten der „Rebel Girls“ tanzend erzählt. Kleine große Künstler_innen und Erwachsene auf ganz großer Bühne. Und wie sie diese ausfüllten! Das Tanzen zu Livemusik war eine sehr besondere Erfahrung. Aber vor allem die Lebensgeschichten der besonderen Frauen der Rebel Girls faszinierten meine Tochter tiefgehend. Immer wieder erzählte sie nach den Proben ganz aufgeregt alle diese Geschichten weiter.

Tanzen wurde immer mehr und klar zu einer weiteren Sprache unseres Kindes. In ihrem letzten Kindergartenjahr schenkte sie mir an meinem Geburtstag einen total beeindruckenden Tanz. Sie tanzte minutenlang zu einem Lied mit Drehungen, Sprüngen, Ganzkörperbodenkontakt und ganz viel Ausdruck. Sie nahm mit einer tiefen Selbstverständlichkeit den ganzen Raum ein und erzählte mit ihrem Körper eine Geschichte. Es war das am meisten bewegende Geschenk, das ich je bekommen habe! Das werde ich für immer in meinem Herzen tragen! Sie war in jedem Moment eine „echte Tänzerin“ mit einer wirklich starken Choreographie. Und sie erzählte mir damit Dinge, die sie so sprachlich garnicht hätte ausdrücken können.

Christine trennte sich schließlich von der Tanzschule Horn, um mehr noch ihren eigenen Weg zu gehen. Sie zog mit ihrem ersten eigenen Tanzatelier in die Tabakfabrik als Untermieterin von Redsapata.

Sie erarbeitete auch dort eine tolle Tanzgeschichte von Coco und der Schuhfabrik mit ihnen. Die Kinder durften zudem an einem Performance Projekt im U-Hof, bei dem Christine tanzte und die Kinder „aktives Publikum“ waren, teilnehmen. Dabei wurde Klimaschutz thematisiert. Die Kinder brachten zu dem Thema so klare Haltungen ein, das war erstaunlich. Und sie beobachteten ihre „Lehrerin“ ganz intensiv in der Rolle der Performerin.
Dann kam die Pandemie. Ein großes, intensiv vorbereitetes Projekt mit einem Kinderchor und Austauschprojekt aus Georgien musste abgesagt werden. Der Unterricht in den Klassen war durch die Lockdowns verboten. Ratlosigkeit machte sich bei uns breit, wie geht es nach den Lockdowns weiter? Und da lud Christine ein, ab nun draußen zu tanzen und so betanzten sie miteinander zahlreiche unterschiedliche Schauplätze in Linz. In Kleingruppen. Jede Stunde wurde sogar doppelt abgehalten! Rasch wurde aus den Stunden ein neues Projekt, das diese Zeit der Pandemie einfing und ihr kreativ Ausdruck verlieh. Gemeinsam mit einem Filmemacher und professionellen Musikern entstand ein ganz beeindruckender Film. Dieser wurde im großen Saal des Moviementos präsentiert. Voller stolz saßen die Künstler_innen mitten im Publikum. (der Film Distance: https://helixprojects.at/portfolio-item/distance_2020/)

Meine Tochter mittendrin und dabei in dieser für alle fordernden Zeit. Das Tanzen wurde mehr denn je zu ihrem wöchentlichen Highlight.

Dann ging es ins nächste Schuljahr, doch auch das stand unter Einfluss der Pandemie. Kurzerhand wurde ein neues Projekt geboren: Tanzparkour und Zirkus! Diesmal war im Fokus mehr Turnen und Akrobatik, als Tanz. Auch hier diente der öffentliche Raum in Linz als Raum,  mit dem man in Kontakt kam. Für meine Tochter war das anfangs fordernd, doch man konnte sehen, wie sie durch die Begleitung an den Herausforderungen wuchs.
Dazwischen kam es zu längeren Lockdowns. In dieser Zeit hielt Christine stets Kontakt. Via Zoom und via Botschaften. Sie lud in dieser so passiv erlebten Zeit ein, wieder aktiv zu werden. Es ging dabei darum, sein ganz persönliches „Wunderland“ zu erschaffen. Wie sollte das sein? Was kam darin vor? Die Kinder entwickelten kurze Tanzszenen, zeichneten Bilder, schrieben Geschichten und Christine vertanzte diese für sie. So schufen sie gemeinsam eine wunderbare Welt in Zeiten einer für alle so komischen Welt. Der krönende Abschluss war dann eine digitale Schnitzeljagd mit dem Handy durch die Linzer Innenstadt, die jede Familie individuell absolvieren konnte. Ein Nachmittag richtig eingetaucht ins Wunderland, gespickt mit vielen Rätseln, sozialräumlichen Erforschen, Skulpturen und ein wenig Tanz.

Und nun mündet diese Reise in ein komplett neues Projekt. Christine hat für ihre Tanzateliers einen völlig neuen Rahmen er- und gefunden. Sie hat sich vernetzt mit Barbara Moser, die die erste Reggio-Atelierschule (Volksschule und MS bis 15) in Oberösterreich gegründet hat. Gemeinsam haben sie großzügige Räume der ehemaligen Kunstuni angemietet und ganz wunderbar renoviert. Barbara leitet hier eine Schule, die das kreative Schaffen und Kompetenz der Kinder in den Mittelpunkt des Lernens stellt. (Die Schule selber stelle ich Euch unbedingt (!) ein anderes mal vor). Daher gibt es wunderbare Räume und ein Kreativatelier für Malen, Werken und plastisches Gestalten. Und Christine hat sich Kolleg_innen gesucht, die mit ihr gemeinsam ein umfangreiches Kursprogramm anbieten. Jede_r möchte seine Expertise mit den Kindern teilen und zugleich mit den Kindern gemeinsam wachsen, voneinander lernen, vor allem aber einen gemeinsamen künstlerisch- gestaltenden Weg gehen. Die  Atelierleiter_innen in ihrer Expertise und die Kinder in deren Expertise gleichermaßen. Dabei geht es um Tanz, Musik, Stimme, Ausdruck, Bewegung, Theater und gestalterische Kunstformen.

Kurse im Sonnensteinatelier

Der barrierefreie 2. Stock der ehemaligen Kunstuniversität, unweit der Hauptstraße in Urfahr, bietet großzügigen Raum für Musik – Bewegung – Theater- und Gestalt-/Kreativateliers. Räumlich und inhaltlich vernetzt mit der ersten REGGIO – Atelierschule Österreichs (inklusive eines Horts!) werden Kursangebote in einen völlig neuen Rahmen gesetzt.

Durch die Möglichkeit, dass z.B. Tanz- und Musikangebote gleichzeitig für unterschiedliche Altersgruppen angeboten werden, können beispielsweise Geschwisterkinder parallel kreative Angebote nutzen und dann auch wechseln. Und nicht nur das: Immer wieder werden die Türen zwischen den beiden Räumen geöffnet und es wird alters- und bereichsübergreifend „zusammengearbeitet“. Unterschiedliche Kunstrichtungen und Altersgruppen werden beispielsweise gemeinsame Projekte für Performances oder Auftritte entwickeln.

Aber es gibt auch tolle Angebote für uns Erwachsene. Bei „Stark in den Tag“ oder „Kundalini-Yoga“ wird sogar parallel Kinderbetreuung angeboten.

Meine mittlerweile 9 jährigeTochter war letzte Woche gemeinsam mit ihrer Freundin zum ersten mal dort. Sie kam freudestrahlend und energiegeladen raus. „Mama, Christine hat die Musik eingeschaltet und ich habe so eine große Freiheit empfunden!“ Sie war sofort angekommen. Zuerst eine Stunde mit Christine, dann eine Stunde „Voice Community“ mit Katharina Dengel. Auch das Singen und Spielen mit Sprache und Tönen hat sie sofort erreicht. „Dienstag wird wieder mein Lieblingstag in der Woche!“ Und mein Sohn hat genug davon, bei all dem Wunderbaren Zaungast zu sein und hat in die gleichen Stunden für seine Altersgruppe reingeschnuppert. Einen elfjährigen Buben, der dreimal pro Woche Fußball spielt zu begeistern für Musik und Tanz, mehr positive Rückmeldung ist wohl kaum möglich! Auch er ist gekommen um zu bleiben! Und ich bin durch die Kreativ-Ateliers gewandelt mit lauter Bildern in mir, was man hier alles künstlerisch erschaffen kann. Alle sind wir neugierig und voller Freude, was da nun alles Wunderbares entstehen wird im Sonnensteinatelier und wie das unsere ganze Familie weiter ergänzt und bereichert.

Mach Dir selbst ein Bild – Woche der offenen Tür:

Von 20. – 23. September 2021 besteht die Möglichkeit in alle Kurse hineinzuschnuppern! Wenn möglich bitte kurz formlos voranmelden atelier@helixprojects.at, wer zu welchen Kursen kommt!

Wer ist Christine Maria Krenn?

Christine Maria KrennSie hat ein Bühnentanzstudium mit Diplom für Tanzpädagogik am Brucknerkonservatorium Linz absolviert und wuchs seither künstlerisch bei zahlreichen Engagements als zeitgenössische Tänzerin im In – und Ausland weiter. Seit 2006 gestaltet sie mit Helix erfolgreiche Regie – und Choreografiearbeiten für Bühnen und Festivals, sowie Auftragsarbeiten. 2017 führte sie als erste Frau in der Regie der Visualisierten Klangwolke „MOBY DICK – Jagd bis vor die Tore von Linz“. Sie ist nach wie vor neben ihrer Lehrtätigkeit aktive Drahtzieherin und beteiligte Künstlerin bei Performances auf Bühnen, Ausstellungen oder Events. Sie verhilft so den Kindern ihrer Angebote zu echter Bühnenerfahrung und entwickelt sich auch mit ihren Solo-Projekten stets weiter. Die ehemalige Turnerin und stets zielstrebige Person trifft auf die ausgebildete Kindergartenpädagogin (!), Mutter und Reformpädagogik Liebhaberin. Ja, die alle stecken in dieser einen Frau! Als Person, die all das kombiniert, ist sie in meinen Augen einfach ein Geschenk! Sie ist eine unendliche Inspirationsquelle. Ihr liebvoller und ressourcen-, sowie kompetenzorientierter Blick sieht jedes Kind da wo es steht, holt es ab, fordert es ohne je zu überfordern, leitet an, inspiriert und gibt vor allem auch viel Freiraum für das völlig Eigene. Sie nimmt Kinder als Performer_innen sehr ernst. Sie eröffnet ihnen große Bühnen und Publikum, weil es relevant ist, was sie erzählen und zeigen und es in diesem Rahmen die richtige Aufmerksamkeit bekommt. Dieses Ernstnehmen ist für mich das größte Geschenk!

Die Begleitung von Christine ist das wertvollste Angebot, das wir in den letzten Jahren für uns entdecken konnten. Und jetzt wächst und zentriert sich das an einem Ort gemeinsam mit anderen handverlesenen Expert_innen in anderen kreativen Bereichen. So kann dieser Spirit sich nun vermehren, vielleicht sogar potenzieren. Linz, Du hast mit dem Sonnensteinatelier einen wirklich genialen Ort mehr!

P.S.: Das ist keine Werbung. Das habe ich aus völliger Überzeugung geschrieben. Ich habe dafür keinerlei Marketinginfos bekommen oder Belohnungen. Unser Jahresbeitrag im Atelier ist bereits gerne überwiesen ;-)  „Women 4 Women“ Netzwerkgedanken sind auch nur ein Sideeffekt. Es geht mir darum, dass ich ganz fest glaube, dass all unsere Kinder genau so etwas brauchen und verdienen! Dringend, um so „resilient“, ja so „empowert“ wie möglich durch diese unsere Zeit zu gehen und damit sie sich ihre Kreativität, die sie ganz natürlich haben, behalten! Und wir dürfen dabei entdecken, dass das hochqualitative Kunst ist, was die Kinder dabei gestalten!